Tag der Arbeit: Kranzniederlegung in Wilster

Veröffentlicht am 01.05.2020, 10:54 Uhr     Druckversion

Kranzniederlegung am 1. Mai 2020

Maikundgebungen und Veranstaltungen zum Tag der Arbeit dürfen in diesem Jahr leider nicht stattfinden. Dennoch haben die Vorsitzende der SPD Wilster, Ratsfrau Natascha Böhnisch und Ratsfrau Karin Lewandowski, 1. stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Wilster, am Denkmal im Stadtpark einen Kranz niedergelegt.

Natascha Böhnisch hielt eine kurze Ansprache und Karin Lewandowski umrahmte dieses  Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mit einem auf der Flöte gespielten Musikstück.

Natascha Böhnisch erklärte:

"Wir leben in einer besonderen Zeit. Die Situation mit Corona hat unser Leben radikal verändert – aus diesem Grunde muss in diesem Jahr die Kranzniederlegung zum Gedenken der Opfer von Terror und Gewaltherrschaft in einem anderen Format stattfinden. Verzichten wollten wir darauf auf keinen Fall. Und dies aus zwei Gründen:

1. Wir befinden uns in einem Jubiläumsjahr. Vor 75 Jahren wurden die Konzentrationslager von den Alliierten befreit. In diesen Lagern wurden Menschen erniedrigt, zu Tode geschuftet, ermordet. Dies in einer nahezu unmenschlichen Art und Weise. Sie wurden behandelt wie Vieh und wie Müll. Viele Lagerleiter haben einen Sadismus an den Tag gelegt, das ist unbeschreiblich. Ich habe gerade das Buch „Der Junge, der seinem Vater nach Auschwitz folgte“ gelesen. Jedes Kapitel endet mit der Aussage – „Das war das schlimmste, was ich erlebt habe. Aber damit war der Höhepunkt der Hölle immer noch nicht erreicht.“ In diesem Buch geht es um die Familie Kleimann aus Wien. Vater und Sohn haben beide noch jeweils das 84. Lebensjahr erleben dürfen. Ich bin sehr beeindruckt davon, was diese beiden Menschen erleiden mussten und bewundere den Mut, dies in Worte zu fassen und das Erlebte weiterzugeben. Wir dürfen diese Gräuel niemals vergessen – das darf sich niemals wiederholen.

2. Wir erleben gerade Entwicklungen – auch in Deutschland, die mich nachdenklich machen. Die Vorkommnisse z.B. in Halle im Oktober 2019, bei denen ein Anschlag auf die Synagoge begangen wurde oder auch der verbale Hass gegen Juden, Ausländer oder Andersdenkende erschrecken mich sehr. Die politischen Entwicklungen in europäischen Ländern, wo die Demokratie Stück für Stück ausgehebelt wird – Polen, Ungarn, Türkei,… bereiten mir große Sorge. Ich habe Angst davor, welche Zukunft meine Kinder erwarten müssen, inwieweit wir noch die Möglichkeit und auch den Mut haben dagegen zu steuern.

Ich weiß nicht, ob ich damals den Mut gehabt hätte, mich gegen das System zu stellen. Ich weiß nicht, ob ich den Durchhaltewillen der Familie Kleimann gehabt hätte – ich denke mal nicht. Aber um so wichtiger ist es, dass sich so etwas niemals wiederholen darf und wir das Gedenken daran, nicht vernachlässigen dürfen. Diejenigen, die diese schreckliche Zeit damals erlebt haben, werden immer weniger. Es liegt jetzt an uns, dass es nicht in Vergessenheit gerät."




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